„ Desolation Sound: 002 (Cruising Guide to British Columbia) ”
Bill Wolferstan
Whitecap Books
Das Revier gilt als Geheimtipp unter Insidern: Vancouver Island, ein Name, der Klang und Zauber hat. Schneebedeckte Wälder und tiefe Fjorde – vor den Toren der kanadischen Millionenstadt Vancouver liegt ein Revier, das vor unberührter Naturschönheit nur so strotzt.
Fischotter spielen ungestört am Ufer, Weißkopfadler ziehen auf der Jagd nach Lachs in der Luft beständig ihre Kreise. Und mit etwas Glück kommt ein Seehund zum Boot geschwommen oder man wird sogar die Rückenflosse eines Schwertwales sichten.
Vancouver und die davor liegende Insel Vancouver Island wurden nach dem Seefahrer George Vancouver benannt; beide gehören zur Provinz Britisch-Columbia.
Im Osten ragen die Coastal Mountains in den blauen Himmel, im Westen lockt die Weite des Pazifischen Ozeans, im Süden die Rocky Mountains.
Selbst kleine Inseln können einige hundert Meter hoch sein. Oft drängt sich dichter Wald bis ans Steilufer und an die vielen eingeschnittenen Buchten und Strände.
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| Wind & Wetter: | Durch die Kuroshio-Strömung ist das Wetter um Vancouver ungewöhnlich mild. Die Temperaturen im Winter liegen in der Regel 2° bis 4 °C und im Sommer die 3° bis 8° C höher als im Landesinneren. An durchschnittlich 46 Tagen im Jahr fällt die Tagestiefsttemperatur unter den Gefrierpunkt, an nur zwei Tagen unter -10 °C. Die Tageshöchstwerte liegen im Juli und August bei 22 °C, vereinzelt auch mal bei 26 °C. Zwischen November und März kann oft bis zu 20 Tagen hintereinander Regen fallen wenn die als "Pineapple Express" (Ananas-Express) bezeichnete subtropische Windströmung warme und feuchte Luft aus Hawaii heranführt. Die wenigen Gewitter treten meist im Spätherbst und im Winter auf und werden manchmal von Hagel begleitet. Der Wetterbericht über Funk (durchlaufende Bandansage) ist für Europäer nur schwer verständlich. Über Kurzwelle gibt es keine Vorhersage, da innerhalb der Region stark unterschiedliche Windverhältnisse vorherrschen (z.B. Sturm in der Strait of Georgia/Südteil, leichte Brise dagegen in den Gulf Islands). Guten Schutz gegen Seegang aus dem Pazifik bietet die mehrere hundert Kilometer lange Vancouver Island. Die maximale Entfernung vom Festland zur Insel beträgt 25 Seemeilen. Bei Nordwestwind über 5 Bft. kann sich im Süden der Strait of Georgia eine zwei Meter hohe Welle aufbauen und in der Strait of Georgia selbst kann die Strömung bis 1,5 kn erreichen. In Passagen, primär im Norden Richtung Discovery Channel und im Süden in den Gulf Islands, können ebenfalls heftige Strömungen entstehen. Die Tidenhöhe beträgt 0,3 bis 3 m, der Abstand zwischen Ebbe und Flut 3 bis 9 Stunden. Grund: die Lage hinter der langen Vancouver Island. Dadurch ergibt sich eine Zeitverzögerung durch die extremen Süd- und Nordströmungen. Die Wassertemperatur bei Vancouver oder bei den Gulf Islands liegt im Schnitt um 16°C, im Desolation Sound deutlich niedriger. Dieser Unterschied ergibt sich dadurch, dass bei Ebbe und Flut das Wasser zwar hin und her schwappt, aber kein Austausch mit dem kalten Pazifikwasser zustande kommt. Beste Segelzeit: Juni bis Ende August, wenn die Sommerwinde aus Nordwesten und Südosten mit Windstärken von 2 bis 4 Beaufort wehen. |
| Schwierigkeitsgrad: | Mittel. Segelerfahrung in Tidengewässern sollte vorhanden sein. |
| Navigation: | Einfahrten und Untiefen sind gut markiert. Die Betonnung folgt dem Prinzip "Red Right Returning", rote Tonnen sind am Steuerboard zu lassen. Auf die Höhe des Campell River treffen die Tidenströme, die nördlich und südlich von Vancouver Island umlaufen, aufeinander. Dies führt zu starken Strudeln und Querströmen. Zwingend erforderlich ist die gewissenhafte Navigation nach dem Tidenkalender, insbesondere auch am Ankerplatz, um nicht bei Niedrigwasser aufzusitzen. |
| Häfen und Ankerplätze: | Marinas im Süden der Strait of Georgia und in den Gulf Islands sind immer in Tagesetappen erreichbar und außerdem preiswerter als die Marinas in der Nähe von Vancouver. Mitunter kann man auch an Bojen festmachen - die schönsten Ankerplätze sind sehr gut geschützte Buchten. Der Kurs von Süden zum Desolation Sound ist einsamer, schöner und eindrucksvoller als zu den Gulf Islands. Einsamer heißt aber auch, es sind schon mal drei Nächte ohne Marina, Frischwasser und Einkauf einzukalkulieren. In engeren Buchten oder bei wenig Tiefe ist eine ausgebrachte Landleine von Vorteil, um den Schwojekreis einzugrenzen und den granitfelsigen Untiefen bei Winddrehungen nicht zu nah zu kommen. |
| Vorschriften und Behörden: | Wer mit der Yacht von Kanada nach den USA fährt, braucht ein Visum. Achtung: Das Visum kann nicht kurzfristig in Kanada beantragt werden, sondern muss vor der Reise in Deutschland ausgestellt werden. |
| Anreise: | Lufthansa (code-share mit Air Canada) fliegt Frankfurt - Vancouver. Calgary wird nur von Air Canada bedient. Flugzeit ca. 9 Stunden. Zubringer aus Deutschland nach London und von dort weiter mit British Airways nach Vancouver. LTU ab Düsseldorf und München, Transat ab Frankfurt nach Vancouver. Vancouver Coal Harbour ist in ca. 45 Minuten vom Flughafen und in 10 Minuten von Downtown mit dem Taxi zu erreichen. Taxikosten normal. |
| Nicht möglich: | Jeden Abend ein Buchtenrestaurant oder eine Disco – wer dies sucht ist hier im falschen Revier. Naturgenießer dagegen kommen voll auf ihre Kosten! |
Die Basis in Vancouver eignet sich sehr gut als Ausgangspunkt für Segeltörns zur 15 Seemeilen nördlich liegenden „Sunshine Coast“ mit vielen sehr schönen Ankerbuchten. Das atemberaubende Revier des Desolution Sound mit seinen einsamen Fjorden im Norden und der geschützten Inselgruppe Gulf Islands mit mehr als 200 Inseln im Südwesten ist ebenso gut erreichbar. Zu den San-Juan-Islands in noch weiter südlicheren Gewässern, die bereits zu den USA gehören, ist es nicht weit.
Vancouver ist mit seinem Hafen die drittgrößte Stadt Kanadas und unsere Ausgangsstation. Sie liegt im Südwesten der Provinz an der Pazifikförde Burrard Inlet.
Die schönsten Ziele in und um Vancouver herum sind der weitläufige Stanley Park, das Aquarium und eine Fahrt mit der Drahtseilbahn auf den Grouse Mountain (1211 m), von wo man bei klarem Wetter eine einzigartige Aussicht auf die Stadt, die Pazifikküste und die Berge im Osten und Westen genießt.
Die Tierwelt Kanadas ist einzigartig. Halten Sie auf Ihrem Törn Ausschau nach Schwert- und Buckelwalen, nach Flussottern, Seehunden und -löwen.
Stumme Zeugen indianischer Kultur sind da und dort noch zu erkennen.
Vancouver ist multikulturell, wobei "upperclass" und "underclass" dicht nebeneinander wohnen. Die Menschen sind hilfsbereit und ständig bereit, sich auf einen smalltalk einzulassen.
In den Restaurants wird freundlich und aufmerksam bedient, vor allem auch deshalb, weil Dienstleister (Kellner, Taxifahrer, Hotelpersonal usw.) fast ausschließlich vom Trinkgeld leben.
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