Die englische Südwestküste mit dem Archipel der Inseln bis zu den Scyllis ist ein außerordentlich reizvolles Segelrevier.
Allerdings nichts für Anfänger, denn die Gezeiten bestimmen hier den Rhythmus des Törns. Der Cornwall genannte Küstenabschnitt ist durch den Atlantischen Ozean, den Ärmelkanal und die Keltische See von drei Seiten mit Wasser umgeben.
Raue, steile Felsen, die mit malerischen Buchten (engl. cove) abwechseln, prägen die Landschaft. Wegen des türkisfarbenen Wassers und der feinen weißen Strände vergleichen einheimische Segler ihr Revier gerne mit der Traumwelt der Karibik.
Der Golfstrom macht es möglich: Im Frühjahr ein rauschendes Blumenmeer, subtropische Gärten und Burganlagen geben dieser abgelegenen, stellenweise einsamen Gegend – nur fünf Inseln sind bewohnt – ihre charakteristische Note.
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| Wind & Wetter: | Der vorherrschende Wind der Region ist Südwest mit mittlerer Stärke. Tagestemperaturen erreichen im Sommer bis zu 20 Grad. Beste Segelzeit: Sommermonate (Juli, August). |
| Schwierigkeitsgrad: | Mittel. Englands Südküste ist im Sommer kein leichtes, aber auch kein schweres Segelrevier. Wichtig ist, dass der Skipper mit Stromtafeln umgehen kann, die Pilotbücher genau liest, regelmäßig Wetterberichte verfolgt und Legerwall-Situationen vermeidet. |
| Navigation: | Navigiert werden muss mit sehr viel Umsicht. Für Segler, die aus tidenfreien Gewässern kommen, kann die Navigation mit starker Tide schwierig sein. Wer es gewohnt ist in Tidengewässern zu navigieren wird das Revier dagegen als zusätzliche Herausforderung erleben. Vorsicht: Zwischen den Inseln zahlreiche Riffs, Felsbrocken und Sände. Gezeiten und Tide: Tidenkalender und Stromatlas müssen unbedingt an Bord sein, Start- und Ankunftszeiten werden in der Regel durch den Gezeitenrhythmus bestimmt. Der Tidenhub liegt zwischen zwei und fünf Metern, der Strom läuft selten mit mehr als zwei Knoten (Ausnahmen: Portland Bill und Solent). Will man zu den Scyllis am besten so starten, dass der Strom um Lizard oder aus Mounts Bay heraus läuft. Die Küste ist eine der am besten betonnten und mit Leuchtfeuern ausgestatteten Küsten der Welt. Ein aktuelles Leuchtfeuerverzeichnis mit den gültigen Kennungen muss unbedingt an Bord sein. Die britischen Admiralty Charts und der „Macmillan Nautical Almanac“, die Bibel der England-Segler, sind unentbehrlich für die Navigation in den tidenreichen Gewässern. Stromrichtungen kalkuliert man im Admiralty Stromatlas, der ein größeres Format hat als der Almanac. |
| Häfen und Ankerplätze: | An der englischen Südwestküste Marinas vor allem in größeren Städten wie Plymouth und Torquay. In kleinen Häfen meist Muringbojen (gelb für Gäste). Schlauchboot mit Außenborder ist wichtig; in manchen Häfen gibt es Wassertaxis. Neuankommende werden oft von einem Hafenboot zum Liegeplatz geleitet. Die Hafenmeister sind überwiegend freundlich. Auf den Scyllis gibt es keine Marinas, sondern nur Molenplätze; man ankert und verholt mit dem Dingi an Land. Verwöhnte Segler müssen in England einige Abstriche beim Komfort machen. Da man sehr oft an Muringbojen liegt, entfällt die komfortable Landstromverbindung. Dafür werden Fender und Leinen geschont. Duschen kann man in den örtlichen Yachtclubs, wo Gastsegler willkommen sind. Im Hafen schwimmt meist ein Müllponton, manchmal eine Tankstelle, und es gibt fast immer einen Versorgungssteg, an dem auch Wasser genommen werden kann. Das Preisniveau auf den Scyllis ist höher als auf dem Festland. Gute Supermärkte in Tresco und St. Mary’s. |
| Anreise: | Täglich mit British Airways oder Lufthansa im Codeshare mit der British Midland von allen deutschen großen Flughäfen; mit Ryan Air ab Frankfurt/Hahn und ab Freiburg nach London/Standsted; Luxair ab Luxemburg. Mit dem Zug von London nach Solent in ca 2,5 Stunden. |
| Nicht möglich: | Wie im Mittelmeer einfach so in den Tag hinein segeln, ohne auf die Gezeiten zu achten. |
Englischer geht es etwas östlicher in den Häfen an der Südküste und um die berühmte Isle of Wight und Solent zu.
Ein spannendes Revier mit großartiger landschaftlicher Vielfalt, weniger exponiert als die Küsten Cornwalls. Doch navigieren muss der Skipper auch hier mit großer Sorgfalt, denn der Gezeitenstrom läuft ungefähr im 12-Stunden-Rhythmus unerbittlich in die Häfen und Buchteneinschnitte hinein und wieder heraus.
Typisch für beide Küstenabschnitte ist der stetige Wandel: eben noch ein Bild mit blauem Wasser und regem Bootsverkehr verändert sich die Szene wenige Stunden später in einen wasserlosen Muschelsand mit trocken gefallenen Booten und einem kleinen Rinnsal in der Mitte.
Wer an dieser Küste segelt, muss bereit sein, die ständigen Veränderungen – auch die von Wind und Wetter – geduldig hinzunehmen und sich mit seinen Etappenplänen ganz dem Rhythmus der Gezeiten anzupassen.
Auch die Südwestküste hat es in sich. Cornwall besteht aus 56 Inseln, von denen fünf bewohnt sind und etwa ein Dutzend den Besuch lohnen.
Die Gezeiten sind hier ebenfalls stark und zu beachten. Es gibt eine Reihe tiefer Rinnen zwischen den Inseln, die bei allen Wasserständen befahren werden können.
Sind die Inseln wegen Starkwind nicht zu erreichen, ist das Segeln unter der Küste eine interessante Alternative.
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